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Teil 10: Die soziale Fahrradstadt

Die technologische Einsamkeit macht sich breit, man bestellt essen per Knopfdruck, lässt sich berieseln oder regt sich so lange auf bis einem in die Augen zu fallen. Aber man ändert nichts, nichts an sich selbst und nicht an anderen, man überzeugt niemanden und wird nicht überzeugt. Wird alles einfacher, aber nicht unbedingt besser?

Manchmal kann ich die Zeit im Halbschlaf morgens nach dem Aufwachen nutzen um kreativ zu sein. Manchmal überwiegen aber die Sorgen wo die Welt hinsteuert. Ein Artikel von Maja Göpel hat mich beschäftigt, in dem sie beschreibt wie eine superreiche Tech-Elite für uns entscheidet wie unser Leben in Zukunft aussieht, womöglich einsam mit Second Screen auf der Couch ohne soziale Kontakte und politische Teilhabe.

„Denn warum sollen ein paar wenige superreiche Egomanen für uns entscheiden, was die nächste evolutionäre Stufe der Menschheit ist?“
fragt Maja Göpel in der TAZ.

Wenn wir weiter in diese Richtung rennen, dann verbrauchen wir immer mehr Energie und lassen uns alles abnehmen, was etwas Mühe erfordert. Dann ist der letzte Ausweg sich einen möglichst bequemen Bunker oder Planeten zu suchen wo man dann auf der Couch dem Weltuntergang zusehen kann, live im Stream, in etwa so wie Douglas Roushkoff es beschreibt in „Survival of the Richest„. Oder merken wir vielleicht – plötzlich ohne Handyempfang – was wirklich wichtig ist?

Gibt es (nur) einen Ausweg?

Glaubt man einzelnen Stimmen, dann gibt es anscheinend nur diese zwei Wege – zurück zur Natur oder hinein ins digitale Verderben. Und ich kann beide Richtungen irgendwie verstehen, wer nutzt nicht das Internet zur Recherche, Google Maps zur Orientierung, macht Handyfotos oder schaut ob jemand an einen gedacht hat per Mail oder in den sozialen Netzwerken? Gleichzeitig scheinen viele Sachen übertrieben, muss jetzt wirklich bei der Internetsuche die KI mit abgefragt werden? Und ich bin sehr gerne in der Natur, aber mir erscheint es gerade so, als wie würde man eine neue Technologie ähnlich verteufeln wie man in der Vergangenheit Bücher, die Wissenschaft, Rock`n`Roll, das Fernsehen und Computerspielen verteufelt hat. Ich denke, man muss man einfach nur den Umgang damit lernen.

KI nutzen für den guten Zweck, macht das Sinn?

Meine initiale Idee für die Artikel über fahrradfreundliche Utopien war, KI zu nutzen um sich eine positive Zukunft vorzustellen. Weil ich finde, daß man so ein so mächtiges Werkzeug für etwas Gutes nutzen kann und sollte. Gleichzeitig bin ich noch nicht überzeugt ob das wirklich eine positive Folge haben wird und möglicherweise habe ich dann dazu beigetragen, noch mehr Energie zu verbrauchen und CO2 auszustoßen. Vielleicht wären wir wirklich alle glücklicher bei der gemeinsamen Gartenarbeit, beim Chorsingen, Kochen, Musik machen oder Helfen von bedürftigen Menschen.

Wie könnte die soziale Stadt der Zukunft aussehen?

Was ich bisher noch nicht so beleuchtet habe, ist das Soziale beim Radfahren. Die KI von Art of X sagt voraus:

„Die Fahrradstadt im Jahr 3000 basiert auf genossenschaftlichem Besitz und inklusiver Gestaltung, um sicherzustellen, dass Menschen mit geringem Einkommen, ältere Menschen und Kinder durch gemeinschaftlich betriebene Reparaturwerkstätten, gemeinsam genutzte Fahrräder und generationsübergreifende Radfahrprogramme teilhaben können. Diese Initiativen fördern soziale Resilienz und ökologischen Verantwortungsbewusstsein und machen Radfahren zu einer gemeinschaftlichen Aktivität, die Emissionen reduziert, städtischen Raum zurückgewinnt und die Gesundheit unseres Planeten unterstützt. Die Integration von Gerechtigkeit und Kooperation in Mobilitätssysteme verwandelt das Radfahren in ein wirkungsvolles Instrument für soziale Gerechtigkeit und ökologische Regeneration.“

Was gibt es heute schon an sozialen Initiativen, die mit Radfahren zu tun haben? Wer fit genug ist und nicht alleine fahren will, kann sicher eine Gruppe im gleichen Mindset und ähnlicher Geschwindigkeit in der Umgebung finden. Wer wenig Geld hat, kann auch größere Radtouren machen und entweder im Zelt schlafen oder bei Gleichgesinnten ein Zimmer bei Warmshowers suchen. Wer helfen will, das Radfahren politisch zu unterstützen, kann sich dafür beim ADFC oder bei Changing Cities stark machen. Dass es darüber hinaus noch soo viele weitere, tolle soziale Projekte gibt, die mit Radfahren zu tun haben, hätte ich nicht erwartet, hier eine Auswahl:

Radeln ohne Alter

Radeln ohne Alter organisiert Rikscha-Fahrten für ältere Menschen, die nicht mehr selber in die Pedale treten können. Jede Fahrt ist für die Senior:innen und die Pilot:innen ein kleines Abenteuer, bei dem man sich kennenlernt, sich austauscht und im besten Falle vielleicht sogar Freundschaft schließt.

BiciBus

BiciBus ermöglicht es jungen und schwachen Verkehrsteilnehmern, geschützt von einer begleitenden Formation eines „Busses“ von erwachsenen Radfahrern, sicher zur Schule oder zu anderen Zielen zu kommen. Dabei lernen sie wie man sich im Verkehr verhält und können sich untereinander austauschen und sind dabei aktiv und das Ganze ist auch noch gut für die Umwelt.

Bike Bridge

Bike Bridge verbindet Menschen aller Altersgruppen und Herkunftsgeschichten. Das Programm „Bike & Belong“ ermöglicht es Frauen mit und ohne Flucht- und Migrationserfahrung das Radfahren zu erlernen. In manchen Kulturen ist es Frauen verboten, Rad zu fahren. Sie lernen sich beim Radfahren sicher zu fühlen und können dann diese Selbstbestimmung und Freiheit als Trainerin an andere weitergeben.

World Bicycle Relief

World Bicycle Relief setzt dich seit 20 Jahren dafür ein, dass Menschen mit wenig Geld durch gespendete Fahrräder ihr Leben positiv beeinflussen können, durch mehr Zugang zu Bildung, Gesundheitseinrichtungen und Grundversorgung sowie mehr Möglichkeiten Arbeit zu finden. Auf diese Weise können sie sich selbst helfen und so ihre Familien und Gemeinden unterstützen. Die Organisation hat bereits 930.000 gespendete Fahrräder weltweit vermittelt.

Tiny Tiny Homes

Im kanadischen Toronto sind Obdachlosenunterkünfte oft überbelegt, sodass jede Nacht Hunderte von Menschen abgewiesen werden und ihre Nacht auch im Winter draußen verbringen müssen. Ryan Donais will Obdachlosen mit seinem Projekt Tiny Tiny Homes durch kleine, mit dem Fahrrad versetzbare Notunterkünfte mehr Sicherheit, Wärme und Würde bieten.

Habt ihr gute Ideen und kennt gute Beispiele für die Radstadt der Zukunft? Dann hinterlasst doch gern einen Kommentar!

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